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19.01.2026

Zusammenfassung des FTI-Citizen Science Vernetzungstreffens

@ GFF NÖ

Am 18. November 2025 kamen an der University of Applied Sciences St. Pölten Projektpartner*innen, Expert*innen aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen sowie Fördergeber*innen zum ersten FTI-Citizen Science Vernetzungstreffen der Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich zusammen. Im Fokus standen praxisnahe Fragestellungen zur erfolgreichen Umsetzung von Citizen Science Projekten, beispielsweise zur Aktivierung und kontinuierlichen Einbindung von Citizen Scientists in Forschungsprojekte.

 

Hier eine Zusammenfassung des FTI-Citizen Science Vernetzungstreffens: 

Erfahrungsaustausch von Forschenden im Bereich Citizen Science: Herausforderungen und Hindernisse in der Praxis

Im Rahmen des FTI-Citizen Science Vernetzungstreffens zum Thema „Citizen Science in der Praxis“, das am 18. November 2025 stattfand, kamen Forschende aus unterschiedlichen Citizen Science Projekten in Niederösterreich sowie Vertreter*innen der Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich (GFF NÖ) zusammen. Ziel der Veranstaltung war es, den fachlichen Austausch zwischen Wissenschaftler*innen zu fördern, projektspezifische Erfahrungen sichtbar zu machen und gemeinsam zentrale Herausforderungen der Citizen Science zu reflektieren. Durch die bewusste Zusammenführung von Projektpraxis und fördertechnischer Perspektive entstand eine multiperspektivische Diskussion, die sowohl methodische als auch strukturelle und organisatorische Aspekte von Citizen Science beleuchtete.

Der Workshop war zweigeteilt angelegt und folgte einem interaktiven, partizipativen Design. Im ersten Teil wurden im Rahmen eines Brain Walks Herausforderungen aus sechs zentralen Themenfeldern gesammelt, darunter Prozessumsetzung, externe Stakeholder, Projektpartner und Teams, Organisation und Strukturen, Impact und Projektziele sowie weitere übergeordnete Themen. Die Teilnehmenden diskutierten diese Punkte anschließend in Kleingruppen, priorisierten die aus ihrer Sicht relevantesten Hindernisse und präsentierten ihre Ergebnisse in kurzen Pitch-Beiträgen im Plenum. Aufbauend auf diesen Diskussionen wählten die Teilnehmenden im zweiten Teil des Workshops jene Themen aus, die für ihre eigene Forschungspraxis besonders bedeutsam sind. Die meistgenannten Themen wurden erneut in Kleingruppen vertiefend bearbeitet, wobei systematisch Problembeschreibungen und mögliche Ursachen für die diversen Hindernisse diskutiert wurden. Auch diese Ergebnisse wurden abschließend im Plenum vorgestellt und gemeinsam reflektiert.

Die inhaltlichen Diskussionen machten deutlich, dass Citizen Science Projekte mit einer Reihe spezifischer Herausforderungen konfrontiert sind, die sich über unterschiedliche Projekte und Disziplinen hinweg ähneln. Im Bereich der Prozessumsetzung wurde vor allem der Zeitmangel hervorgehoben, der sowohl Forschende als auch Citizen Scientists betrifft. Dieser erschwert eine kontinuierliche Zusammenarbeit und wirkt sich insbesondere auf die Planung und Durchführung partizipativer Prozesse aus. Eng damit verbunden sind Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Teilnehmenden, insbesondere von vulnerablen oder schwer erreichbaren Zielgruppen. Darüber hinaus stellte sich das Erwartungsmanagement als komplexe Aufgabe dar, da Rollen, Methoden und Anforderungen für alle Beteiligten klar fach- und zielgruppengerecht vermittelt werden müssen.

Auch die Zusammenarbeit mit externen Stakeholdern wurde als herausfordernd beschrieben. Komplexe Abstimmungs- und Freigabeprozesse, wechselnde Ansprechpersonen sowie unterschiedliche Motivationen und Prioritäten im Projektalltag können die Zusammenarbeit erheblich erschweren. Kommunikationsbarrieren zwischen Projektteams, Stakeholdern und Citizen Scientists verstärken diese Problematik zusätzlich. Als besonders wichtig wurde die Notwendigkeit durchgängiger persönlicher Kontaktpunkte hervorgehoben, um Vertrauen aufzubauen und das Engagement aller Beteiligten aufrechtzuerhalten.

Im Hinblick auf Projektpartner und Teams zeigten die Diskussionen, dass unterschiedliche Forschungslogiken, epistemologische Zugänge und disziplinäre Hintergründe eine zentrale Herausforderung darstellen. Unklarheiten über die Rollen von Citizen Scientists in den Projekten sowie Machtverhältnisse und divergierende Zielsetzungen innerhalb von Projektkonsortien können die Zusammenarbeit zusätzlich belasten. Organisatorische Hürden, etwa in der Koordination großer oder räumlich verteilter Teams, verstärken diese Herausforderungen.

Besonders deutlich wurden die strukturellen Herausforderungen im Themenfeld Organisation und Strukturen. Die Bürokratie, welche im Zuge von Forschungsprojekten bewältigt werden muss, wurde von vielen Teilnehmenden als erhebliche Belastung beschrieben, insbesondere rechtliche Angelegenheiten, Verträge, Ethikkommissionen und Versicherungen. Der oftmals fehlende institutionelle Support erschwert die administrative Abwicklung von Projekten zusätzlich. Die strengen Vorgaben und strukturellen Rahmenbedingungen stehen häufig im Widerspruch zu der für Citizen Science notwendigen Flexibilität, da Projektplanung und Förderlogiken oft wenig Raum für Anpassungen im Projektverlauf lassen.

Auch im Bereich Impact und Projektziele zeigten sich Spannungsfelder. Zieländerungen im Projektverlauf sind in Citizen Science Projekten häufig notwendig, lassen sich jedoch gegenüber Fördergebern nicht immer leicht argumentieren. Zudem müssen Projekte unterschiedlichen Anspruchsgruppen gerecht werden, die jeweils unterschiedliche Erwartungen an den Impact haben, etwa in wissenschaftlicher, gesellschaftlicher oder institutioneller Hinsicht. Langfristige Wirkungen von Citizen ScienceProjekten werden oft erst nach Projektende sichtbar, was ihre Evaluation und Anerkennung zusätzlich erschwert. Über diese zentralen Themenfelder hinaus wurden weitere strukturelle Aspekte diskutiert, darunter die unzureichende langfristige Finanzierung von Citizen Science, der Bedarf an Aufwandsentschädigungen für Citizen Scientists sowie der hohe Drittmitteldruck in der Wissenschaft. Zudem wurde auf unklare Qualitätsstandards und das Fehlen von Citizen Science in der akademischen Lehre hingewiesen, was die nachhaltige Verankerung der Methode erschwert.

Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Herausforderungen und Lösungsansätzen bot der Workshop Raum für persönliche Reflexionen der Teilnehmenden. Viele betonten die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls in der Citizen Science und die Erkenntnis, dass ihre Herausforderungen nicht isoliert auftreten, sondern von vielen Projekten geteilt werden. Der intensive Austausch wurde als wertvoller Beitrag zum Communitybuilding wahrgenommen und ermöglichte neue Kontakte sowie praxisnahe Impulse für die eigene Arbeit. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung von Reflexion und Risikoabschätzung von Forschungsprojekten, welche bereits in der Antragstellung verankert werden sollten, um besser auf Unsicherheiten im Projektverlauf reagieren zu können.

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